Hochsensibilität im Beruf

Hochsensibilität im Beruf

Von der Hochsensibilität ist immer dann die Rede, wenn Menschen besonders sensibel auf Reize reagieren, schnell überfordert von der alltäglichen Reizüberflutung sind, aber andererseits auch ein gewisses Feingefühl an den Tag legen. Insbesondere im Berufsleben kann das zahlreiche Nachteile mit sich bringen, auf der anderen Seite aber auch viele Vorteile.

 

Vor- und Nachteile von Sensibilität und Hochbegabung im Beruf

Sensibilität und Hochbegabung können im Beruf viele Vorteile mit sich bringen. So können sich hochsensible Menschen sehr gut in die Gefühlslage ihres Gegenübers einfühlen. Sie haben ein großes Einfühlungsvermögen und beraten leidenschaftlich gerne. Auch sind sie meist Perfektionisten, die versuchen, jede Aufgabe akribisch korrekt auszuführen. Verlässlichkeit, Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Fleiß sind weitere typische Eigenschaften hochsensibler Menschen, die Arbeitgeber erfreuen dürften.

Auf der anderen Seite entstehen auch Nachteile einer Hochsensibilität im Beruf. Gerade in der modernen Arbeitswelt herrscht ein hoher Leistungsdruck. Dieser sorgt dafür, dass Menschen immer mehr in immer weniger Zeit leisten müssen. Schnell leiden dann schon weniger sensible Menschen unter Stress. Bei hochsensiblen Personen wird der Stresslevel früher erreicht, sie fühlen sich überfordert.

Hinzu kommen zahlreiche äußere Reize und Ablenkungen, die hochsensiblen Menschen zu schaffen machen. Das dauernde Klingeln des Telefons, das das konzentrierte Arbeiten unterbricht, das andauernde Gedudel des Radios im Hintergrund und vieles mehr werden als störend empfunden.

Ein weiteres Problem hochsensibler Menschen besteht darin, dass sie sich durch ihren Perfektionismus schnell verzetteln können. Die Aufgaben werden nicht in der gewünschten Schnelligkeit abgewickelt. Auch besteht die Gefahr, dass sie sich in der modernen Arbeitswelt schnell „unterbuttern“ lassen. Hier herrscht die Ellenbogengesellschaft vor und gerade diese ist für hochsensible Menschen ein Graus. Darüber hinaus stellen diese Personen oft ihre Erfolge sehr zurückhaltend dar, sind schüchtern und können sich schlecht selbst präsentieren. Das führt dazu, dass sie bei Beförderungen häufig übergangen werden. Dies wiederum widerstrebt ihrem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn jedoch deutlich, so dass sie sich maßlos ärgern und ein Teufelskreis beginnt.

 

Die Hochsensibilität als Gabe verstehen und schätzen lernen

Dieses sich selbst im Weg stehen, ist für hochsensible Menschen ein echtes Problem. Auf der einen Seite kommen sie karrieretechnisch nicht oder nur schlecht voran, auf der anderen Seite wird die moderne Arbeitswelt und Gesellschaft geprägt von Personen, die kaum Einfühlungsvermögen besitzen, die nur nach Macht und Geld streben. Deshalb fühlen sich hochsensible Personen oft anders als der Rest der Gesellschaft und sie werden zum Außenseiter. Dabei belegen aktuelle Zahlen, dass alleine in Deutschland 15 bis 20 Prozent der Menschen hochsensibel sind.

Wer selbst an sich diese Eigenschaft entdeckt, sollte lernen, sie zu schätzen. Die Hochsensibilität ist eine Gabe, die es zu erhalten und zu fördern gilt. Jedes Unternehmen braucht Menschen, die sensitiv veranlagt sind, insbesondere im Umgang mit Kunden, auch wenn in Stellenausschreibungen davon kaum etwas zu lesen ist. Menschen, die hochsensibel sind, können sich ebenfalls Gedanken über eine berufliche Veränderung machen, um ihren Alltag besser meistern zu können.

 

Bücher zu Hochsensibilität im Beruf

 

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Die Arbeitswelt von hochsensiblen Menschen

Auf dem Weg zum passenden Beruf oder gar zur Berufung sollten sich sensible oder sensitive Menschen einige wichtige Fragen stellen – siehe dazu auch die wichtigsten Fragen im unteren Abschnitt dieses Textes. Dadurch können sie herausfinden, welche Tätigkeit ihnen besonders liegt oder Spaß machen würde und welche Tätigkeiten für sie gar nicht in Frage kommen.

Die geeigneten Berufe schlechthin gibt es für sensitive Menschen nicht. Je nach Person ist die Sensibilität unterschiedlich stark ausgeprägt. Ein paar Beispiele wollen wir an dieser Stelle aber dennoch nennen:

1. Tätigkeiten mit sozialen Aspekten

Im Tierschutz, im Umweltschutz oder in sozialen Berufen können hochsensible Menschen ihre Gabe voll ausnutzen. Allerdings sind sie hier oft auch von Angesicht zu Angesicht mit der Not konfrontiert, so dass diese Reize sie schnell wieder überfordern können.

2. Tätigkeiten mit beratenden Aspekten

Hochsensible Menschen sind keine Verkäufer im eigentlichen Sinne. Sie könnten dem Eskimo den viel zitierten Kühlschrank nicht verkaufen, weil sie das nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren könnten. Stehen sie allerdings hinter einem Produkt oder einer Leistung und können beratend tätig werden und sich ins Gegenüber hineinversetzen, sind sie in ihrem Element.

3.Tätigkeiten mit ganzheitlicher Sichtweise

Der Beruf des Psychologen, Ergotherapeuten, Logopäden oder Physiotherapeuten ist für hochsensible Menschen ebenfalls geeignet, da hier eine ganzheitliche Sichtweise entsteht, die ihnen ohnehin eigen ist.

4. Kreative Tätigkeiten

Auch die kreativen Tätigkeiten, wie das Schreiben, Malen oder Musizieren sind für hochsensible Menschen teilweise gut geeignet.

Darüber hinaus lohnt es sich, über eine Selbstständigkeit nachzudenken, bei der man den Arbeitsalltag und das Arbeitsumfeld nach den eigenen Wünschen und Bedürfnissen gestalten kann.